Was ich noch sagen wollte

PhilPublica stellt vor

Titelbild: Matthias Warkus

Matthias Warkus

Assistent der Geschäftsführung der DGPhil und verantwortlicher Redakteur der Deutschen Zeitschrift für Philosophie  

Was ist Ihre erste Erinnerung an einen philosophischen Gedanken?

Der Gedanke, dass es Gott nicht geben könnte, hat mich im Grundschulalter fasziniert; oder vielleicht weniger der Gedanke selbst als die Erfahrung, dass andere ihn für diskussionswürdig oder anstößig hielten: dass er überhaupt ein Thema war.

Würden Sie Ihren Kindern dazu raten, Philosophie zu studieren? 

Hätte ich welche: unbedingt (und zwar in Jena!). Aber ich würde mir auch Mühe geben, ihnen begreiflich zu machen, dass die Philosophie zwar nichts Schlechteres, aber auch nichts Edleres ist als z. B. Krankenpflege, Gemüsehandel oder das, was ich fast statt Philosophie studiert hätte, nämlich Informatik.

Was ist Ihre déformation professionnelle?

Ich lektoriere jedes Jahr mehrere tausend Seiten wissenschaftliche Texte und kann daher keine Fehler übersehen. Zum Beispiel fehlte in dieser Frage bei „professionnelle“ ursprünglich ein ,n‘.

Welche*r Philosoph*in sollte mehr gelesen werden?

Peter Janich – und zwar, wenn ich mir hier wünschen darf, was ich will, auch außerhalb des deutschen Sprachraums.

Wie halten Sie es mit der Religion?

Mich macht wenig so glücklich wie ein gelungener 70-minütiger evangelischer Abendmahlsgottesdienst. Da meine Frau katholisch ist, bin ich aber auch regelmäßig bei der anderen Firma zu Gast. Ich spiele zumindest theoretisch auch ab und zu Orgel in Gottesdiensten, das hat jetzt aber schon lange nicht mehr stattgefunden.

Was würden Sie gern besser können?

Improvisieren. Über Choräle, Jazzstandards oder am besten beides.

Sie haben eine Kolumne bei »Spektrum der Wissenschaft«. Warum schreiben Sie für die außerakademische Öffentlichkeit? 

Weil ich es liebe. Eine philosophische Frage laienverständlich anzureißen und auf begrenztem Raum so zu behandeln, dass ihre Bedeutung erkennbar wird, ohne penetrant zu pädagogisieren – das ist eine anspruchsvolle und erfüllende Aufgabe.
Natürlich glaube ich aber auch, dass es einen Nutzen für die Gesellschaft und für die Philosophie als akademisches Unternehmen bringt, Philosophievermittlung zu betreiben. Ich habe mehr als fünfzigmal auf Science-Slam-Bühnen gestanden und immer wieder erlebt: Unter dem Rubrum „Philosophie“ wird nichts erwartet, was irgendwie begreifbar oder relevant ist, ich habe sogar öfters sinngemäß den Satz gehört „Bei euch geht es ja tatsächlich um etwas!“.
Das breite deutsche Publikum scheint mir sehr interessiert an tatsächlich verständlicher und nahbarer Philosophievermittlung in allen Themenbereichen. Enormes zusätzliches Ansehen für unser Fach liegt auf der Straße, wir müssen es nur aufheben.

Worauf kommt es Ihrer Ansicht nach besonders an, wenn man für die Öffentlichkeit schreibt? 

Darauf, jede Hybris zu vermeiden.

Was ist Ihre Definition von Philosophie?

„Definition“ ist vielleicht etwas zu hoch gehängt, aber ich würde sagen, das Hauptgeschäft der Philosophie ist das Hervorbringen begrifflicher Unterscheidungen. Unser „Exportgut“ sind am Ende Vokabeln, mit deren Hilfe andere besser reden und denken können.

Welche Musik soll auf Ihrer Beerdigung gespielt werden? 

Das ist leicht: An meinem Grab möge der Marburger Unichor singen, dem ich selbst lange angehört habe, und zwar „Müde, das Lebensboot weiter zu steuern“ op. 54 Nr. 2 des leider in Vergessenheit geratenen Spätromantikers Wilhelm Berger (1861–1911).
 

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