Was ich noch sagen wollte

PhilPublica stellt vor

Titelbild: Bernward Gesang

Bernward Gesang

Professor für Philosophie und Wirtschaftsethik an der Universität Mannheim  

Was war Ihr erster Kontakt mit der Philosophie?

Aufgeschreckt hat mich der erste Bericht an den Club of Rome über die Grenzen des Wachstums, den mir mein Biologielehrer in der zehnten Klasse zusteckte. Ich war elektrisiert und wollte die Ursachen verstehen, die meiner Überzeugung nach im Wesen des Menschen zu finden waren. Von da an habe ich mich mit Philosophie beschäftigt und gleich mal mein erstes Buch verzapft. 

Welches philosophische Problem können Menschen nicht lösen?

Vielleicht können wir gar keins lösen, aber das Freiheitsproblem, also wie ein freier Wille in einer zufälligen oder determinierten Welt bestehen kann, scheint mir besonders schwierig. Vielleicht sind die Menschen zu dumm dafür . . .

Was können wir aus der Philosophiegeschichte lernen?

Sicher viele Inhalte, aber darüber hinaus sind klassische Texte eine super Argumentationsübung. Widersprüche liegen viel offener an der Oberfläche als bei heutigen Texten.

Woran arbeiten Sie gerade?

Das sind wie immer mehrere Sachen. Zum einen habe ich letztes Jahr mein Buch Mit kühlem Kopf. Vom Nutzen der Philosophie für die Klimadebatte bei Hanser veröffentlicht. Das gab ziemlich viel Presse und Vortragseinladungen und Sammelbandbeiträge. Die arbeite ich nun ab. Zudem will ich ein Buch schreiben, in dem ich begründe, wie jemand zugleich Utilitarist und in metaethischer Hinsicht Relativist sein kann. Für viele ein Widerspruch. 

Können Sie das erklären?

Nun, wenn die normativen Ethiken weder wahr noch falsch sind, wie kann man trotzdem ein Modell besser finden als alle anderen und das gegenüber anderen vertreten? 
Ich meine, wir können gar nicht anders, als unsere bestgeprüften moralischen Überzeugungen anderen zumindest zu empfehlen, denn jedes Urteil über Moral ist von diesen Überzeugungen abhängig. Selbst wenn wir beschließen, keine Werturteile mehr zu fällen, legen wir dabei unsere Werte als das richtige Fundament für diese Entscheidung zugrunde. Wir können unser Werten nicht hintergehen. Und zu guter Letzt kommt die Aufgabe auf mich zu, ein Handbuch Utilitarismus beim Metzler Verlag herauszugeben. Einfach weil es sonst keiner tut und weil es auf dem Markt fehlt.

Was würden Sie gern besser können?

Englisch, vor allem reden und schreiben.

Warum schreiben Sie für die außerakademische Öffentlichkeit?

Ich schreibe für Laien weniger über reine Philosophie. Vielmehr versuche ich, mit philosophisch geschärftem Verstand zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen, die ja auch in der Philosophie eine Rolle spielen, neue Gedanken zu äußern. Diese Fragen gehen die Gesamtgesellschaft etwas an, weshalb ich für diese schreibe. Ich sehe es als Verpflichtung an, die Werkzeuge, deren Gebrauch man als Philosoph lernt, zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen. Warum sonst finanziert uns die Gesellschaft unser Hobby?

Was stört Sie an der akademischen Philosophie?

Dass sie ganz im – sicher wichtigen – Erbsenzählen versinkt, ohne Bezug auf das große Ganze herzustellen. So werden Karrieren gemacht, aber das ist nicht philosophisch gedacht. Neben Analyse gehört Synthese!

Was ist die gesellschaftliche Rolle der Philosophie?

Die gesellschaftlich relevanten philosophischen Fragen zu dolmetschen, d. h. in verständlicher Sprache zu formulieren und klar, einfach und argumentativ Stellung zu beziehen!
 

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