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Barbara Vetter
Professorin für theoretische Philosophie an der Freien Universität Berlin
Was war Ihr erster Kontakt mit der Philosophie?
Schwer zu sagen. Ich hatte immer ein Faible für das antike Griechenland und habe als Schülerin dies und das über Sokrates und die Vorsokratiker aufgeschnappt. Der erste philosophische Autor, den ich wirklich gelesen habe, war aber Nietzsche, dessen sämtliche Werke ich als Teenager verschlungen habe. Mein erster Kontakt mit der Art von Philosophie, die ich heute betreibe – analytische Philosophie – war erst an der Universität und hat mir noch einmal ganz neue Perspektiven eröffnet.

Woran arbeiten Sie gerade?
In meiner philosophischen Arbeit geht es eigentlich immer um Möglichkeiten – also nicht um diese oder jene Möglichkeit, sondern darum, was Möglichkeiten ganz grundsätzlich ausmacht. Entgegen einer verbreiteten Tendenz in der analytischen Philosophie versuche ich, solche Möglichkeiten nicht im Verweis auf andere „mögliche Welten“ zu verstehen, sondern als etwas, das zur Grundstruktur dieser, unserer Welt gehört. Aktuell beschäftige ich mich nicht mehr so sehr damit, was Möglichkeiten sind, sondern viel mehr damit, wie wir von ihnen wissen können – nämlich, so meine Hypothese, schlicht dadurch, dass wir uns im eigenen Handeln verschiedener Möglichkeiten bewusst sein müssen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Idee in die Form einer systematischen philosophischen Theorie zu bringen!

Was können wir aus der Philosophiegeschichte lernen?
Die, wie ich finde, beste Antwort auf diese Fragen hat die Oxforder Philosophiehistorikerin Ursula Coope in ihrem Buch „Time for Aristotle“ formuliert: Bei Philosoph/innen entfernter Zeiten (wie wahrscheinlich auch entfernter Kulturräume) finden wir nicht nur andere Antworten auf unsere Fragen, sondern andere Fragen; und indem wir versuchen zu verstehen, wie man zu jenen Fragen kommt, werden wir uns über unsere eigenen Fragen und deren Vorannahmen klarer. Aus der Philosophiegeschichte lernen wir etwas über die Kontingenz dessen, was als selbstverständlich und unproblematisch einerseits und was als problematisch und fragwürdig andererseits gesehen wird.
(Und natürlich können wir noch vieles andere lernen: Manchmal finden wir andere und überraschende Antworten auf unsere Fragen; manchmal sehen wir, woran ein bestimmtes philosophisches Forschungsprogramm gescheitert ist; manchmal finden wir einfach spannende, über die Jahrhunderte verschüttete Ideen und Anregungen für das eigene Denken.)

Gibt es philosophischen Fortschritt? Wenn ja, was ist ein gutes Beispiel dafür?
Ja. Ein besonders klares Beispiel ist die Entwicklung der Logik, in der wir heute wirklich mehr können und wissen als Aristoteles oder Kant. In vielen anderen Bereichen ist der Fortschritt aber eher quantitativ als qualitativ: Wir finden neue Fragen und neue Antworten, und wir verschaffen uns immer besseren Überblick über die argumentativen Verhältnisse zwischen diesen Antworten.

Welche philosophische Auffassung, von der Sie einmal überzeugt waren, haben Sie aufgegeben?
Als Studentin fand ich, dass so etwas wie Kants transzendentaler Idealismus offensichtlich wahr sein muss. Heute bin ich überzeugte Realistin und betreibe Metaphysik, die sich um kantische Zweifel an ihrer eigenen Möglichkeit kaum schert.

Wenn Sie ein zweites Leben hätten, in dem es keine Philosophie gibt, was würden Sie damit anfangen?
Wenn ich’s könnte: Romane schreiben.

Welchen Gegenstand, der nicht dem physischen Überleben dient, würden Sie mit auf die Robinsoninsel nehmen?
Einen richtig guten Roman, um zumindest fiktive und interessante Gesellschaft zu haben – wahrscheinlich George Eliots Middlemarch.
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