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Eva von Redecker
Marie-Skłodowska-Curie-Fellow an der Universität Verona
Was war Ihr erster Kontakt mit der Philosophie?
Ein Latein-Referendar an meiner Schule hat in einem Nebensatz Friedrich Schleiermacher erwähnt. Ich habe dann die Schrift über die Religion als Reclam-Heft ergattert und war vollkommen fasziniert.

Welcher philosophische Text hat Ihr Leben verändert?
Die Werkbiografie von Hannah Arendt, die Elisabeth Young-Bruehl verfasst hat. Wenn ich das Buch nicht in einem entscheidenden Krisenmoment in die Finger bekommen hätte, hätte ich das Studium abgebrochen.

Woran arbeiten Sie gerade?
An einer Genealogie des Eigentums. Ich möchte zeigen, dass das Eigentum nicht nur eine Geschichte hat – also seine Form verändert –, sondern auch „Geschichte macht“. Es prägt soziale Beziehungen, Institutionen und sogar das Weltverhältnis.

Was würden Sie gern besser können?
Furchtbar vieles: Singen, Tanzen, Programmieren. Ich würde auch gern eine noch bessere Genealogie des Eigentums schreiben als mir gelingen wird. Und über viele Jahre meiner Jugend hatte ich den Ehrgeiz, eine richtig gute Dressurreiterin zu werden. Ich würde sehr gern perfekte Galopp-Pirouetten reiten können, aber das wird wohl nichts mehr.

Ist die Philosophie eine Wissenschaft?
Ja. Eine verstehende.

Welches philosophische Problem können Menschen nicht lösen?
Abschließend ist noch nie ein philosophisches Problem gelöst worden, weil sich philosophische Probleme angesichts sozialer Herausforderungen und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse stets neu stellen.

Warum ist Philosophie so schwierig?
Vielleicht genau deshalb, weil philosophische Probleme nicht abschließend lösbar sind. Das ist aber auch das Schöne: jede philosophische Frage öffnet das Denken auf eine unendliche Aufgabe hin.

Worüber kann selbst der böse Dämon Sie nicht täuschen?
Darüber, dass die Außenwelt existiert.

Worüber würden Sie gern vom bösen Dämon getäuscht werden?
Ich weiß nicht, ob das vermessen klingt, aber ich würde sagen: über nichts. Es wäre sehr schlecht für das Denken, von Täuschungen auszugehen.

Ist es immer gut, vernünftig zu sein?
Ja, wenn man einen weiten Vernunftbegriff hat, der zum Beispiel den Leidenschaften nicht strikt entgegengesetzt ist.

Wie halten Sie es mit der Religion?
Ich bin eine ungläubige Christin.

Wenn Sie ein zweites Leben hätten, in dem es keine Philosophie gäbe, was würden Sie damit anfangen?
Eine Lebensform – oder eine mögliche Welt –, die nicht irgendeine der Philosophie ähnliche Praxis entwickelt hätte, wäre von unserer Welt so weit entfernt, dass mir auch nicht klar ist, wer „ich“ dann darin wäre. Vielleicht würde ich Pferde an Höhlenwände malen? Tatsächlich könnte ich mir ein Leben als Malerin ganz gut vorstellen. Als Künstlerin, aber auch als Handwerkerin. Mein Großvater mütterlicherseits war Malermeister. Vielleicht würde ich nach Vorbild von Vanessa Bell (der Schwester von Virginia Woolf) mein Einkommen mit moderner Wandmalerei bestreiten.

Würden Sie Kindern dazu raten, Philosophie zu studieren?
Ja. Aber nicht nachdrücklicher als dazu, eine Malerlehre zu machen.

Was spricht gegen Philosophenkönige?
Alles, was gegen Könige spricht.

Soll man glauben, was die Mehrheit glaubt?
Wenn es vernünftig ist, ja.

Warum schreiben Sie für die außerakademische Öffentlichkeit?
Ich weiß nicht genau, warum es mir solche Freude macht. Aber ich erinnere mich sehr gut an die Zeit, in der ich selbst ein philosophiehungriges Mitglied der außerakademischen Öffentlichkeit war. Und im Grunde ist auch meine akademische Arbeit oft von Fragen inspiriert, die mir besonders sokratisch veranlagte Freund:innen außerhalb der Universität hartnäckig stellen.

Worauf kommt es Ihrer Ansicht nach besonders an, wenn man für die Öffentlichkeit schreibt?
Dass man großen Respekt für sein Publikum hat.

Könnten Sie eine Person küssen, die Philosoph:innen für Schwätzer hält?
Tue ich regelmäßig.

Welchen Gegenstand, der nicht dem physischen Überleben dient, würden Sie mit auf die Robinsoninsel nehmen?
Ein leeres Notizbuch.

Was ich noch sagen wollte:
Viele der klassischen Werke der Philosophie sind außerhalb der Universität entstanden.

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